Folge 2.04
Folge 2×04 (16)
Die Straße der Sieger
Victory lane
Deleyn wachte an diesem Morgen auf und sah sich um. Sie war im Wohnzimmer eingeschlafen und neben ihr lag Faiths Jacke. Von der Jägerin selbst gab es jedoch keine Spur. Aus diesem Grund ging Deleyn in die Küche und wollte sich erst einmal einen Kaffee aufschütten, wobei ihr noch immer mulmig war. Sie hatte schließlich einiges über die Jägerin gehört und genau das machte sie skeptisch. Was war, wenn sie Faith nicht vertrauen konnte und vielleicht sogar ihr nächstes Opfer sein würde. Gestern war es doch einfach zu ruhig zwischen den beiden Frauen verlaufen.
„Guten Morgen, gibt´s Kaffee?“, Faith erschien auf einmal in der Küche und sah vollkommen verschlafen aus. Sie hatte sich irgendwann in der Nacht nach oben zurückgezogen und scheinbar versuchte sie nun wach zu werden: „Ich nehme an, dass Sie schon alles über mich wissen, also muss ich Ihnen nun auch keine Fragen beantworten.“
„Doch genau das müssen Sie. Meinen Sie denn, dass ich mir alles gefallen lasse? Dann muss ich Sie enttäuschen. Ich bin kein Vorbild von Wächter, denn ich bin nicht mit allem einverstanden, was der Rat und vor allem Quentin Travers sagt. Ich geh jetzt den Weg, den ich gehen will und keinen anderen.“, Deleyn stemmte die Hände in die Hüften und wendete ihren Blick nicht von Faith ab, die zu lächeln begann und zustimmend nickte: „Dann verstehen wir uns ja prima. Ich bin ja auch keine Jägerin, die irgendwelche Regeln befolgt. Ich mache mir einfach meine eigenen und damit muss dann jeder klar kommen nur… sind Sie wirklich so hart und zäh wie Sie tun oder versuchen Sie nur mir zu imponieren?“
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Buffy und Angel waren mit Gunn, Xander und Willow aufgebrochen und suchten nach Spike. Sie hatten nun keine andere Wahl als Harmony zu vertrauen, was Xander nicht ganz geheuer war. Immerhin hatte die dämliche Vampirin noch nie etwas richtig gemacht, sondern sich durch nur immer noch blödere Ideen weiter in den Dreck gezogen und alle anderen gleich mit. Sollte das nun anders sein? Konnten sie ihr wirklich vertrauen?
„Ist die Adresse auch richtig?“, Gunn sah sich in der Gegend um und fragte sich, wo sie hier eine Wohnung finden sollten. Die Adresse hatte sie zu einem alten Kino gebracht, aber rundherum wurde bereits alles abgerissen und das Schicksal des Kinos würde das Gleiche sein.
„Spike hat als Mensch schon unter Brücken geschlafen, weil er volltrunken nicht mehr nach Hause kam. Aber als Vampir… vielleicht kann man in dem Kino übernachten. Ist zwar nicht bequem, aber zumindest gibt es ein Dach über dem Kopf“, Angel öffnete die Tür des alten Kinos, die quietschend aufging.
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Im Hotel packten Joyce, Dawn, Giles, Fred, Cordelia und Wesley ihre Koffer. Andrew war mit Harmony noch einmal losgefahren, um das Gleiche zu tun. Sie wollten mit der Gruppe um die Jägerin und den beseelten Vampir gehen. Sie wollten dazugehören, auch wenn sie nicht wussten, ob ihnen dies auch gelingen würde.
Als sie wieder ins Hotel kamen, packten Wesley und Giles gerade alle Koffer in zwei Taxen und die der Neuankömmlinge packten sie gleich dazu. Sie mussten weiter, sie mussten diesen Flug bekommen, auch wenn es hieß, dass Buffy, Angel, Gunn, Xander und Willow mit Spike später fliegen mussten. Denn Wesley wollte keine Zeit verlieren. Er wollte zu seiner Schwester und sah deshalb niemanden an, nicht einmal Cordelia, die sich wirklich Sorgen um ihn machte. Sie folgte ihm noch einmal ins Hotel, wo sie nicht mehr ruhig bleiben konnte: „Hey, in ein paar Stunden wirst du sie wiedersehen und dann ist alles in Ordnung. Bitte mach dich nicht jetzt schon verrückt.“
„Verrückt? Cordelia, du hast eine Vision von meiner Schwester gehabt, in der sie gestorben ist. Ich versuche sie den ganzen Tag in ihrer Wohnung oder auf ihrem Handy zu erreichen. Ich habe es sogar beim Rat und bei ihrer besten Freundin versucht… aber ich erreiche sie nicht. Ich erreiche einfach niemanden und da soll ich ruhig bleiben?“, Wesley sah seine Freundin fragend an, die nur noch zu Boden blicken konnte und wusste, dass er Recht hatte. Sie machte sich schließlich auch Sorgen und wollte nur, dass sie und Wes es gemeinsam durchstehen konnten, doch dazu schien ihr Liebster nicht in der Lage zu sein.
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Patrick war zu Susan gefahren und wollte alles von deren Besuch bei Deleyn erfahren: „Geht es ihr auch wirklich gut. Ich schwör dir, wenn diese Jägerin ihr etwas antut, dann…“
„Deleyn hat gelebt und so wie es aussah, verstanden sich die Zwei auch ganz gut. Ja, Deleyn hat sogar eher zu ihr gehalten, als zu mir. Mich hat sie weggeschickt, kannst du dir das vorstellen? Ich bin Deleyns beste Freundin und ich soll verschwinden, während diese gefährliche Jägerin bei ihr zu Hause wohnt… Patrick, ich weiß nicht, ob Deleyn wirklich noch unsere Alte ist… Was ist, wenn Los Angeles sie verändert hat? Diese Buffy, sie hat schon Rupert Giles und Deleyns Bruder Wesley auf die Seite eines Vampirs gezogen und nun ist Deleyn dran… Was ist, wenn sie diesen Angel auch schützen wird und dann alles andere vergisst. Sie hat ja immerhin schon eure Verlobung gelöst“, Susan klang unruhig und sie war es auch. Wenn sie an ihre Freundin dachte, konnte sie nicht einen klaren Gedanken fassen und deswegen rüttelte Patrick nun auch an ihren Schultern: „Nein, so einfach geben wir nicht auf. Wir bekommen unsere Deleyn zurück und wir werden sie nicht mehr gehen lassen. Sie wird nicht sterben… aber sie wird erkennen, dass ich sie noch liebe. Sie wird diesen Angel verraten. Faith ihre Strafe zukommen lassen… und dann wird sie sich von Wesley abwenden und zu mir zurückkommen. Wir werden endlich heiraten und für immer glücklich sein.“
Susan sah zu Patrick auf, dessen Augen finster funkelten, so als wäre er fest entschlossen und sie wusste, dass dem so war. Denn ein Rückzug war nun ausgeschlossen.
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Deleyn nahm den letzten Brief zur Hand und las ihn immer und immer wieder durch. Sie merkte nicht wie Faith sich auf die Arbeitsfläche setzte, bis diese sie auf einmal ansprach: „Sie sind anders als die übrigen Wächter. Sie wollen mich gar nicht kontrollieren. Sie geben mir nicht einmal eine Aufgabe… was steht da so Interessantes in dem Brief?“
„Tut mir Leid, wenn Ihnen langweilig ist, Faith. Aber ich glaube, ich werde erwartet und da wo ich hingehe, können Sie nicht mit… Sie werden schon eine Beschäftigung finden, die Sie nicht langweilig finden. Davon bin ich überzeugt“, Deleyn faltete den Brief zusammen und steckte ihn ein. Nach einem letzten Schluck Kaffee machte sie sich dann auf den Weg, während Faith alleine im Haus zurückblieb.
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Angel trat die Tür des Kinos ein und verschaffte sich auf diese Weise Zutritt. Dann ging er Schritt für Schritt vorwärts und betrat einen dunklen Gang. In diesem hockte ein kleiner Junge, der sich zu den Unbekannten umdrehte: „Das Kino ist geschlossen… bringen Sie mich zu meinen Eltern?“
„Dich bringen wir nur unter die Erde, wenn du uns nicht sofort erzählst, wo wir Spike finden“, Buffy ging auf den Jungen zu, doch dieser löste sich in Luft auf, was ihr einen Applaus von Gunn einbrachte: „Wirklich sehr beeindruckend. Vielleicht bist du beim nächsten Mal nicht ganz so vorschnell und lässt mich das machen. Im Gegensatz zu dir, kenn ich mich auf der Straße aus… egal ob bei Dämonen oder Menschen.“
„Schluss jetzt, hier muss niemand irgendetwas beweisen. Lasst uns lieber diese Victory lane suchen. Harmony hat doch gesagt, sucht das Kino auf der 14th und dann die…“, Willow brach abrupt ab und schluckte. Mit der Taschenlampe leuchtete sie zum Ende des Ganges, wo der Junge erneut aufgetaucht war. Nur zeigte er den Anwesenden dieses Mal sein wahres Ich…
Die Kleider zerfetzt, die Augen in dem kreideweißen Gesicht waren blutunterlaufen und seine Stimme klang wie die eines Dämons: „Ihr sucht die Straße der Sieger? Nun, ihr steht bereits darauf… ihr müsst nur ein Stockwerk tiefer.“
Angel, Gunn, Willow, Buffy und Xander verloren den Halt und fielen durch den Boden hinab in den Keller. Hier kamen sie wieder auf die Beine und schauten sich verwundert um. Noch immer war alles dunkel um sie herum, doch als Angel um die nächste Ecke blickte, bot sich ihm ein anderes Bild. Vor ihm lagen die Knochen von Toten und auch Kanonen standen überall herum. Doch am Ende des Ganges war ein Torbogen, aus dem Licht kam: „Das ist sie also… die Straße der Sieger… es ist eine Grabstätte von Gefallenen eines Krieges und ich denke dahinten… da wohnt Spike.“
„Nette Nachbarn hat er hier“, Xander rümpfte die Nase und folgte dann seinen Freunden durch die Knochen der Toten.
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Der kleine Junge erschien im Büro von Charlie Choir, welche gerade Berichte durchsah und mit Besuch nicht gerechnet hatte. Trotzdem sah sie nicht auf, sondern nickte nur, woraufhin der kleine Dämon erzählte, was gerade vor sich ging: „Angel hat die Straße der Sieger gefunden. Er sucht mit einer kleinen Gruppe nach Spike.“
Nun sah Charlie auf und nickte dem Jungen zu, damit er verschwand. In ihr brodelte es jedoch, denn sie wusste nicht, was sie davon halten sollte, dass nicht Spike auf Angel, sondern Angel auf Spike zuging. Was konnte dem beseelten Vampir dies bringen? Was hatte er für einen Plan, von dem sie nichts wusste?
Charlie drückte auf einen Knopf ihrer Gegensprechanlage und verlangte nach einem ihrer Mitarbeiter. Sie musste herausbekommen, was Angels Investigation vorhatte und die Senior Partner würden ihren Bericht mit Sicherheit schon erwarten.
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Deleyn fuhr in ihrem Wagen zum Hauptquartier des Rats und merkte nicht, dass ihr jemand folgte. Sie passierte das Eingangstor und fuhr durch die Parkanlagen, vorbei an den Herrenhäusern, die unbewohnt dalagen, um vom wahren Hauptquartier abzulenken. Dies lag verborgen unter einer Scheune in den Tiefen von London und als Deleyn aus ihrem Wagen ausstieg, erkannte sie die bekannte Umgebung wieder. Doch es schien ihr, als hätte sich etwas verändert. Sie konnte nicht sagen was und ging deshalb zögernd weiter, bis sie Quentin Travers erblickte: „Ah, Miss Pryce, wie schön, dass sie endlich wieder bei uns sind.“
„Mister Travers… Wieso findet dieses Treffen nicht in London statt?“, Deleyn wusste, dass der Rat noch weitere Gebäude in England besaß und eins davon sogar mitten in der Innenstadt. Von außen wirkte es wie jedes andere Bürogebäude und in diesem Moment wurde es leer geräumt…
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„Was macht ihr denn hier?“, Spike sah in die bekannten Gesichter und spürte kurz darauf Buffys Faust in seinem Gesicht. Um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, hielt sich der Vampir an den Wänden fest oder versuchte vielmehr sich daran abzustützen. Dann tastete er nach seiner Nase und stellte fest, dass alles in Ordnung war. Sein Riechorgan war nicht gebrochen und blutete auch nicht, doch wollte Spike nun unbedingt wissen, was die ungebetenen Gäste von ihm wollten: „Wofür war das denn? Was wollt ihr überhaupt hier und wie habt ihr mich gefunden? Ihr könnt nicht einfach an diese Adresse kommen, es sei denn… nein, das habt ihr nicht gemacht, das hätte keiner von euch gemacht.“
„Was hätte niemand von uns getan? Rede Spike!“, Angel funkelte Spike finster an und wollte dann dessen Wohnung betreten, doch etwas hielt ihn zurück. Es konnte nicht die übliche Barriere sein, denn immerhin war Spike ein Untoter. Also musste es Magie sein, weshalb sich Angel zu Willow umdrehte und hinter ihr etwas entdecken konnte.
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Wesley und die anderen erreichten den Flughafen und stiegen nacheinander in die Maschine. Jeder hatte auf seine Art ein ungutes Gefühl – sei es, weil sie andere zurücklassen mussten, weil sie ein Geheimnis hatten, weil sie nicht wussten, was noch auf sie zukam… und weil sie gesehen hatten, was sie erwarten könnte…