Folge 1.03

Folge 3 (3)

         Fehltritt

         Wrong Turn

 

 

Deleyn wachte schon vor sechs Uhr in ihrem neuen Zimmer auf. Dieser Vampir hatte es hier eigentlich ganz gemütlich. Alles war schlicht und einfach gehalten und doch spürte die Wächterin eine Ewigkeit im Raum, die sie nicht fassen konnte. Doch es machte sie neugierig und so zog sie sich rasch etwas über und durchforstete dann den Raum. Es schien keine persönlichen Gegenstände zu geben, was nicht ungewöhnlich für einen Vampir war, aber das er sich plötzlich von hinten an sie heranschlich passte ihr ganz und gar nicht: „Was machen Sie hier, Angelus? Wenn Sie es noch einmal wagen sollten, dann…“

„Liegt Ihr Pflock in ihrer Taschen und kann mir nichts tun. – Ich habe gemerkt, dass Sie aufgestanden sind und wenn es Sie nicht stört, dann würde ich gerne ein paar meiner Sachen abholen.“, Angel ging an Deleyn vorbei, die zu ihrer Handtasche ging und ihren Pflock herausnahm: „Ich habe Ihnen bereits gesagt, dass ich Ihnen Ihre Sachen hochbringen werde, wenn ich damit fertig bin… und jetzt werden Sie mein Zimmer verlassen. – Entweder freiwillig oder als Inhalt eines Staubsaugers.“

Angel wusste nicht, was ihm für eine andere Wahl blieb und so verließ er sein eigenes Zimmer, um diese seltsame Wächterin wieder alleine zu lassen.

 

+++

 

Nachdem sich Angel wieder zurückgezogen hatte und Deleyn noch einmal eingeschlafen war, war Wesley nach unten in die Lobby gegangen und wollte für alle etwas zu frühstücken besorgen. Unten angekommen wunderte er sich jedoch darüber, dass Cordelia auch schon wach war und es überall nach frischen Brötchen duftete. Den Gunn kam gerade vom Bäcker und begrüßte dann seine neuen Mitbewohner: „Morgen zusammen. Cordy hat mir eben erzählt, dass hier viele hungrige Mäuler zu stopfen sind und da bin ich mal schnell los gewesen. – Jetzt hab ich aber Hunger.“

„Willst du einen Kaffee?“, Cordy stand bereits an der Maschine und Gunn nickte ihr zu. Als Wesley dann zu den Beiden kam, schenkte Cordy ihm auch eine Tasse ein und gemeinsam standen die Drei um den Tresen herum. Während Wes die Zeitung durchblätterte, unterhielt sich Cordy mit Gunn über ihre verschiedenen Begegnungen mit den Untoten der Nacht: „Also ich hab schon so einige Vampire erledigt, aber bis auf diese Blutsauger ist mir eigentlich noch niemand begegnet.“

„Da hast du ja echt noch Glück gehabt, Wesley und ich haben sogar am Tag meines Abschlusses gegen einen Basiliken gekämpft. Gut, am Ende hat Buffy das Vieh vernichtet, aber immerhin haben wir uns gut geschlagen, nicht wahr Wes?“, Wesley wusste gar nicht, was er sagen sollte und lächelte einfach nur ein wenig, bis Gunn anfing zu Lachen: „Ah, jetzt versteh ich. Tut mir echt Leid, Leute, dass ich manchmal so schwer von Begriff bin. Aber ihr hättet mir ja auch einfach sagen können, dass ihr ein Paar seid.“

Cordy und Wesley sahen Gunn verwirrt an, denn immerhin waren sie kein Paar. Sie hatten noch nicht einmal Gefühle füreinander… da war nie etwas zwischen ihnen gewesen – nur dieser eine Kuss…

 

+++

 

Xander wollte nach dem Aufwachen unbedingt mit Anya sprechen. Denn nachdem was zwischen Riley und Buffy passiert war, musste er die Gewissheit haben, dass ihre Beziehung nicht auch so enden würde: „Weißt du, Riley ist einfach abgehauen, weil er nicht mehr an die Liebe zu Buffy geglaubt hat… aber wir, wir sind doch stärker, nicht wahr?“

„Xander Harris, willst du mir irgendwas sagen? – Wenn ja, dann warte bis ich endlich was gegessen habe, denn anderenfalls nehm ich mir einfach dich vor. Ich hab so Hunger und mir was herzaubern kann ich nicht, weil deine lieben Freunde ja meine Fähigkeiten rauben mussten. – Sag mal, kommst du jetzt endlich mit nach unten oder wie lange willst du da noch auf dem Boden rumsitzen?“, Anya verließ das gemeinsame Zimmer und Xander fuhr es eiskalt den Rücken runter, denn er steckte in der gleichen Situation wie Riley…

Er ging also kurz nach seiner Freundin aus dem Zimmer und lief Willow und Tara über den Weg, die nach Buffy suchten. Sie war nicht ins Hotel zurückgekommen und nun machten sie sich Sorgen um die Jägerin…

 

+++

 

Dawn hatte Buffy angeboten mit ihr in einem Bett zu schlafen, denn so konnten sie sich noch unterhalten und hörten gleichzeitig weniger von dem Streit ihrer Eltern. Doch nun war die Zeit des Abschieds gekommen, denn Joyce wollte keine Minute länger mehr in diesem Haus bleiben: „Du hörst von meinem Anwalt, Hank Summers!“

Buffy verabschiedete sich von ihrer kleinen Schwester und sah dann ihren Vater verachtend an, ehe sie mit ihrer Mutter das Haus verließ und die anderen zuließ: „Du wirst die Beiden nie wieder sehen, verstanden? – Ich rufe sofort Mister McDonald an. Er soll das Ganze regeln und Joyce endlich aus meinem Leben verschwinden lassen… aber vielleicht schafft er es ja auch, dass Buffy hier einzieht. Na, wie fändest du das?“

„Du willst Mum umbringen lassen? Du bist so ein Schwein! Wie gut, dass ich gar nicht deine richtige Tochter bin und Mum wird das noch erfahren.“, Dawn lief rauf auf ihr Zimmer und knallte die Tür hinter sich zu. Hank ignorierte dies jedoch und wählte die Nummer von Wolfram & Hart: „Stellen Sie mich bitte zu Lindsay McDonald durch. Sagen Sie ihm, dass es sich um einen Notfall handelt.“

 

+++

 

Spike betrat an diesem Morgen die Kanzlei Wolfram & Hart. Der grüne Dämon namens Lorne hatte ihn hierher geschickt und nun sollte ihm diese Lilah Morgan helfen eine anständige Bleibe zu finden. Aber war das für eine Anwältin überhaupt möglich?…

Der platinblonde Vampir ließ sich zu ihrem Büro führen und wartete dann, bis die Anwältin sich an ihren Schreibtisch setzte und ein paar Akten herausholte: „Sie müssen William der Blutige sein – oder Spike, wie Sie sich heute gerne nennen. Mein Mandant hat mir bereits gesagt, dass sie ein neues Quartier in Los Angeles suchen.“

„Ja, so eine blöde Militäreinheit hat ganz Sunnydale beschlagnahmt. Aber glauben Sie wirklich Schätzchen, dass Sie mir helfen können?“, Spike stand auf und beugte sich über den Schreibtisch, aber auf Lilah machte das keinen Eindruck: „Setzen Sie sich. – Das Problem in Sunnydale ist auch uns aufgefallen. Immer mehr Vampire und Dämonen flüchten aus dem kleinen Ort. Doch meine Vorgesetzten nehmen sich diesem Problem gerade an… Manchen Sie sich also keine Sorgen, Sie wird nichts davon treffen. Vielmehr wird die Kanzlei Ihnen nicht nur eine Unterkunft zur Verfügung stellen, sondern Ihnen zudem auch Ihren Chip entfernen lassen. – Sie müssen nur hier unterschreiben…“

 

+++

 

Giles hatte heute Morgen endlich einmal lange Schlafen können. Das erste Mal seitdem er die Ausbildung als Wächter begonnen hatte, doch nun klopfte es an seiner Tür. Er öffnete und bat Angel hinein, der unbedingt mit ihm reden musste: „Giles, ich weiß, dass Sie mich nie besonders gemocht haben.“

„Das ist wohl untertrieben.“, Giles erinnerte sich daran, dass er Angel einmal umbringen wollte, nachdem er seine große Liebe Jenny umgebracht hatte. Doch das lag fast drei Jahre zurück und seitdem war Angel auch nicht mehr böse geworden, sondern hatte in Los Angeles bewiesen, dass er für das Gute kämpfte: „Was kann ich denn für Sie tun?“

„Es geht um Wesleys Schwester, diese Deleyn… ich weiß, dass Sie die Dame auch kennen und da ich mit Wesley nicht über sie sprechen kann, habe ich mir gedacht, dass Sie…“, Angel konnte gar nicht zu ende reden, da Giles ihm den Weg zur Tür wies: „Ich denke nicht, dass ich Ihnen weiterhelfen kann. Genau wie Wesley stehe ich hinter Deleyn und weiß, dass sie immer genau überlegt was sie tut. Also wenn Sie irgendetwas Negatives über Sie zu sagen haben, dann sollten Sie sich überlegen, ob es nicht besser wäre das Hotel einfach zu verlassen.“

Giles schloss die Tür und nun stand Angel alleine auf dem Flur und konnte es nicht glauben. Hatte Giles ihm gerade wirklich gesagt, dass er sein eigenes Hotel verlassen soll? Das konnte der Wächter doch nicht wirklich ernst gemeint haben…

 

+++

 

Deleyn hatte mit den anderen in der Lobby gefrühstückt und war nun nach draußen an die frische Luft gegangen. Unter all dem Unkraut fand sie sogar eine kleine Marmorbank. Sie schnitt mit einem Messer das Grünzeug zurück und setzte sich dann… sie dachte an England und an ihren Auftrag. Sie hatte noch nichts erfüllen können und das regte sie auf. Sie sollte sie denn auch anfangen und vor allem bei wem? Angelus stand unter dem Schutz von Wesley und dieser Jägerin und auch die anderen schienen wie einer Familie jeder auf den anderen aufzupassen. Es half also nichts… sie musste sich erst das Vertrauen der anderen gewinnen, um dann zuschlagen zu können und endlich wieder bei Patrick sein zu können. Sie vermissten ihn schon jetzt und wollte nur noch in seinen Armen liegen. Sie wollte, dass sie wieder zusammen sein konnten und endlich JA zueinander sagten… aber wann würde das sein? Sie hatten den Termin doch wegen diesem Auftrag verschieben müssen und nun zog sich alles so lange hin… ich will wieder bei dir sein… ich will dir sagen, dass ich dich liebe…

Deleyn wischte eine Träne von ihrer Wange und hörte Schritte. Willow hatte sie hier sitzen sehen und kam auf die Wächterin zu: „Geht es dir gut? Du warst schon beim Frühstück so seltsam gelaunt… oh, Verzeihung, ich rede hier einfach mal drauf los, dabei habe ich mich noch gar nicht vorgestellt – mein Name ist Willow Rosenberg und Sie oder du bist?…“

 

+++

 

Gerade als Buffy und Joyce ins Hotel kamen, fand Wesley einen Artikel, der ihn interessierte. Ein Jugendheim war in der vergangenen Nacht angegriffen worden und mehrere Jungen haben ihr Leben lassen müssen und alle trugen sie seltsame Wunden an ihren Hälsen. Buffy, Gunn und Angel wollten sofort los und mussten zulassen, dass die anderen ihnen folgten. Denn auch, wenn sie Einzelgänger waren, so mussten sie sich jetzt in der Gruppe beweisen. Doch kurz bevor sie an dem Heim waren, hatte Angel noch eine andere Idee und sprang aus dem Wagen. Er suchte sich einen Weg durch die Kanalisation und wollte einen Informanten sprechen – Lorne…

 

+++

 

Spike wusste gar nicht genau, was er da unterschrieben hatte, aber seinen Chip loszuwerden war alles, woran er gerade denken konnte. Endlich würde er wieder von Menschen trinken können und musste nicht vor ihnen zurückweichen. Er würde wieder er selbst sein können und sich der Jägerin in den Weg stellen, was ihn zufrieden Lächeln ließ, während er einem Anwalt in einen kleinen Laborraum folgte…

 

+++

 

Lindsay McDonald saß in seinem Büro und studierte die Akte Summers. Ja, er hatte Hank Summers schon aus einigen Missständen raus gehauen, aber nun ging es um weit mehr, als nur um die Täuschung der Justiz. Nun wollte Hank, dass man seine Frau ermordete und seine Tochter Dawn sollte man neu manipulieren. Mit den richtigen Beauftragten würde Lindsay dies auch keine Schwierigkeiten bereiten. Aber wenn er es tat, behinderte er damit ein anderes Projekt… er musste sich mit Lilah oder direkt mit den Seniorpartnern kurz schließen, denn egal für was er sich auch entschied – ein Projekt würde gekippt werden müssen…

 

+++

 

Angel betrat Lornes Karaokebar und sah sich um. Der Dämon war nirgends zu sehen, aber dafür eine von Angels alten Bekannten…

Darla stand mitten im Raum und ging auf den Vampir zu. Sie sagte kein Wort und auch er blieb ruhig, als sie ihn küsste. Sie hielt seinen Kopf fest an sich, damit er nicht flüchten konnte und seine Lippen offenbarten ihr, dass er dies auch gar nicht vorhatte. Er war ihr wie eh und je ausgeliefert und sie verschlang ihn dafür nur noch leidenschaftlicher… denn das war es doch, was er wollte… seine dunkle Seite… das Verlangen…

Darla hatte etwas mit Angel vor, aber dann tippte ihr jemand auf die Schulte. Sie löste sich von Angel und sah Buffy an, die ihren Pflock fest in der Hand hielt: „Finger weg von meinem Exfreund… wenn du weiterhin am Leben bleiben willst.“

„Die kleine Buffy… immer noch auf der Suche nach einem Schoßhündchen, dass zu Hause auf dich wartet, wenn du dich in der Friedhofserde gewälzt hast?“, Darla ging einen Schritt auf Buffy zu und merkte, dass sie für heute verloren hatte… aber nicht für immer: „Geh lieber einen Vampir töten, der dir ebenbürtig ist. Zu hohe Ziele lassen einen ganz tief fallen…“

 

+++

 

Gunn, Wesley, Cordelia, Giles und Xander hatten eine Gruppe von Vampiren vernichtet und gingen fröhlich gelaunt zum Hotel zurück, während Buffy und Angel sich durch die Kanalisation schlichen… sie sagten kein Wort zueinander, denn Darla hatte sie beide bloßgestellt und der Jägerin wurde klar, dass die Vampirin auch irgendwo Recht hatte. Buffy war die Auserwählte, die Eine, die das Böse vernichten sollte und vor dieser Bestimmung konnte sie nicht mehr länger weglaufen.

 

+++

 

Lindsay hatte mit einem Kontaktmann gesprochen und nun sprach er mit Lilah die nächsten Schritte durch. Er wusste, dass viel auf dem Spiel stand und Fehltritte konnten sie sich nicht erlauben, weshalb sie Unterstützung brauchen würden…

 

 

Einen Kommentar hinterlassen